Demenz und Schlafstörungen

Wie die Erkrankung Betroffenen den Schlaf rauben kann

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Demenzkranke leiden oft stark unter (Demenz-) Schlafstörungen. Ihre Angehörigen sind dadurch ebenfalls oft sehr belastet. Nächtliches Umherwandern oder laut geäußerte Verwirrtheit, können den Schlaf aller Beteiligten erheblich stören. Manchmal gerät der Tag-Nacht-Rhythmus sogar komplett durcheinander. Solche Störungen mindern die Lebensqualität und führen zu körperlicher wie seelischer Erschöpfung. Auch Angehörige der Betroffenen leiden unter den belastenden Umständen.

Kurz & knapp

Was ist eine Demenz und woran erkenne ich sie?

Typische Schlafstörungen bei Demenz

Wie hängen Schlafstörungen und Demenz zusammen?

Schlafstörungen bei Demenz - Was tun?

Kurz & knapp

Ursachen: Veränderungen im Gehirn stören den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Schmerzen, Begleiterkrankungen und Medikamente können den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen.

Symptome: Einschlafprobleme, häufiges nächtliches Aufwachen, nächtliche Aktivität und vermehrte Tagesschläfrigkeit, unruhiger und fragmentierter Schlaf

Behandlung: Nicht-medikamentöse Maßnahmen stehen im Vordergrund (regelmäßiger Tagesablauf, Lichttherapie, Bewegung). Schlafmittel nur mit Vorsicht und bei großem Leidensdruck einsetzen.

Was ist eine Demenz und woran erkenne ich sie?

Unter einer Demenz versteht man keine eigene Krankheit, sondern ein sogenanntes Syndrom, also eine Kombination aus verschiedenen Symptomen. Die Demenz ist durch folgende Symptome gekennzeichnet1:

 

Unruhiger Schlaf bei Demenz: Eine ältere Frau liegt wach im Bett – häufiges Symptom bei demenziellen Erkrankungen
  • Verlust des Kurzzeitgedächtnisses

  • Eingeschränkte Kommunikation und Sprache

  • Eingeschränktes Denkvermögen

  • Verhaltensauffälligkeit und psychische Instabilität

  • Veränderung der Wahrnehmung und Orientierung

Primäre und Sekundäre Demenzen

Verschiedene Krankheiten verursachen Demenzsymptome. Zu diesen Demenzformen gehören zum Beispiel Alzheimer und vaskuläre Demenz.

Demenzerkrankungen teilen sich grundsätzlich in zwei Arten auf:2

  • Primäre Demenzen machen etwa 90 Prozent aller Demenzerkrankungen aus.
  • Sekundäre Demenzen machen etwa 10 Prozent aller Demenzerkrankungen aus.

Primäre Demenzen

Primäre Demenzen entstehen durch direkte Veränderungen im Gehirn. Die Art und Form der Demenz lassen sich nach dem Auslöser unterscheiden. Im Frühstadium sind auch die Symptome unterscheidbar. Neurodegenerative Demenz entsteht, wenn Nervenzellen im Gehirn absterben. Die häufigsten Arten sind Alzheimer, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körper-Demenz und Parkinson-Demenz. Vaskuläre Demenz kommt durch Probleme mit der Durchblutung im Gehirn zustande. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Demenzform und verursacht ungefähr 60 Prozent aller Demenzerkrankungen.3 Die vaskuläre Demenz ist die zweithäufigste Ursache.4

Typische Schlafstörungen bei Demenz

Demenz kann den natürlichen Schlafrhythmus stark beeinträchtigen. Zwei häufige Störungen sind die zirkadiane Schlaf-Wach-Rhythmusstörung und die REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

  1. Zirkadiane Rhythmusstörung:

Bei der zirkadianen Störung ist der Biorhythmus gestört. Die Schlafphasen verteilen sich unregelmäßig über 24 Stunden. Die Ursache liegt vermutlich in der verminderten Aktivität bestimmter Hirnareale oder Erkrankungen wie Makuladegeneration (Verlust der Sehfähigkeit). Diese Form tritt meist bei fortgeschrittener Demenz auf, ist aber nicht direkt altersbedingt.

  1. REM-Schlaf-Verhaltensstörung:

Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung hingegen betrifft die Traumphase: Betroffene zeigen unkontrollierte Bewegungen wie Treten, Schlagen oder Rufen – oft ohne Erinnerung daran. Die Schlafstörung tritt häufig im Zusammenhang mit Parkinson oder Lewy-Body-Demenz auf und kann von nächtlichen Halluzinationen begleitet sein.

Wie hängen Schlafstörungen und Demenz zusammen?

Viele Menschen mit Demenz leiden unter erheblichen Schlafstörungen. Diese können durch die Demenz selbst entstehen aber auch durch weitere körperliche Erkrankungen oder Medikamente, die den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen. Folgende Umstände spielen eine Rolle:5

  • Schmerzen durch Erkrankungen wie Arthritis oder Infektionen
  • Flüssigkeitsmangel, der zu nächtlichem Unwohlsein oder Muskelkrämpfen führt
  • Medikamente (z. B. Psychopharmaka, Schmerzmittel), die den Schlaf beeinflussen oder sich gegenseitig verstärken
  • Tagesmüdigkeit durch häufiges Ruhen oder Mittagsschlaf (erschwert das Ein- und Durchschlafen in der Nacht)

Jede Demenzform bringt ein eigenes Muster an Schlafproblemen mit sich.

 

Typische Schlafstörungen bei Alzheimer-Demenz6,7

Durch Veränderungen im Gehirn (v. a. im Hypothalamus) wird der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus gestört. Die innere Uhr „verstellt sich“ – Betroffene sind nachts unruhig und tagsüber müde. Dazu kommen Einschlafstörungen und häufiges nächtliches Aufwachen.

 

Typische Schlafstörungen bei Lewy-Körperchen-Demenz (DLB)8

Ablagerungen von Lewy-Körperchen stören die Schlafregulation im Gehirn. Die Folge: fragmentierter, sehr unruhiger Schlaf mit lebhaften Träumen und nächtlicher Verwirrtheit. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörung begünstigt Albträume. Auch starke Schwankungen zwischen Wach- und Schlafphasen sind typisch.

 

Typische Schlafstörungen bei Parkinson-Demenz9

Wie bei der Lewy-Körperchen-Demenz werden auch hier die Schlafzentren im Gehirn gestört. Es kommt zu REM-Schlaf- und Durchschlafstörungen. Die Folge ist oftmals eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Zusätzlich können Parkinson-Medikamente den natürlichen Schlafrhythmus beeinflussen.

 

Welche Tipps können bei Altersschlaflosigkeit helfen?

Schlafstörungen bei Demenz – was tun? Schlafstörungen im Alter und speziell bei demenzkranken Menschen müssen differenziert betrachtet werden. Häufig treten sie in sehr individueller Ausprägung auf. Um Schlafstörungen bei Demenz zu behandeln ist es deshalb wichtig, auf die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen und passende Behandlungskonzepte zu entwickeln. Neben organischen Ursachen spielen auch Umwelteinflüsse und der Tagesablauf eine Rolle. Eine strukturierte Tagesgestaltung, angepasste Lichtverhältnisse, regelmäßige Einschlafrituale und Entspannungstechniken können erste hilfreiche Maßnahmen sein.

 

Wie lassen sich Schlafstörungen bei Demenz behandeln?

Um Schlafstörungen bei Demenz erfolgreich zu behandeln, ist ein individuell angepasstes Vorgehen erforderlich, da Ursachen und Ausprägung sehr unterschiedlich sein können. Eine medikamentöse Therapie ist nicht immer notwendig. Oft helfen bereits gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus.

  1. Nicht-medikamentöse Ansätze:
  • Morgendliche oder abendliche Lichttherapie
  • Herbeigeführter Schlafentzug tagsüber
  • Abends Rotlicht mit geringem Blauanteil

Hinweis: Eine Lichttherapie kann Studien zufolge nur bei Betroffenen vaskulärer Demenz ohne visuelle Defizite zum Tragen kommen – nicht bei einer Demenz vom Alzheimer-Typ 2.5

  1. Medikamentöse Behandlung:

In schweren Fällen oder bei starkem Leidensdruck ist eine ärztlich begleitete Therapie mit Schlafmitteln möglicherweise notwendig, um Schlafstörungen bei Demenz zu behandeln. Allerdings ist hier große Vorsicht geboten. Viele Präparate zeigen Nebenwirkungen oder erhöhen das Sturzrisiko.

 

Quellen

1 Pharmazeutische Zeitung (2020): Langsamer Abschied für alle https://www.pharmazeutische-zeitung.de/langsamer-abschied-fuer-alle-122639/seite/2/ (Zuletzt aufgerufen am: 24.062025)

2Stiftung Gesundheitswissen (2018): Primäre und Sekundäre Demenzen, https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/sites/default/files/pdf/2018_11_29_Prim%C3%A4reSekund%C3%A4reDemenz_v3_ts.pdf (Zuletzt aufgerufen am: 17.06.2025)

3Alzheimer Forschung: 14 Risikofaktoren für Demenz, https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/risikofaktoren/ (Zuletzt aufgerufen am 25.06.2025)

4Alzheimer Forschung: Vaskuläre Demenz, https://www.alzheimer-forschung.de/demenz/formen/vaskulaere-demenz/ (Zuletzt aufgerufen am 14.06.2025)

5Mishima, K., Okawa, M., Hishikawa, Y., Hozumi, S., Hori, H., & Takahashi, K. (2001). Morning bright light therapy for sleep and behavior disorders in elderly patients with dementia. Acta Psychiatrica Scandinavica, 103(3), 243–246. https://doi.org/10.1034/j.1600-0447.2001.00046.x

6Demenz-portal.at, Was tun bei Schlafstörungen, https://demenz-portal.at/aktuelles/was-tun-bei-schlafstoerungen/ (Zuletzt aufgerufen am 25.06.2025)

7Alzheimer-Forschen.de, Alzheimer-Krankheit verursacht Schlafstörungen (2018) https://www.alzheimer-forschung.de/aktuelles/meldung/alzheimer-krankheit-verursacht-schlafstoerungen/ (Zuletzt aufgerufen am 25.06.2025

8 Deutsche-Alzheimer.de, REM-Schlaf-Verhaltensstörung – Ein Anzeichen für Lewy-Körper-Demenz, https://www.deutsche-alzheimer.de/archiv-alzheimer-info/seltene-demenzformen/rem-schlaf-verhaltensstoerung-ein-anzeichen-fuer-lewy-koerper-demenz (Zuletzt aufgerufen am 25.06.2025)

9Parkinsonstiftung.de, Parkinson und Schlaf, https://www.parkinsonstiftung.de/informieren/themen/parkinson-und-schlaf/ (Zuletzt aufgerufen am 25.06.2025)

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1IQVIA Pharmatrend Deutschland, Absatz 11/2020